Salman Ansari Menschen · Natur · Leben · Literatur · Musik

14Feb/110

Kinder stellen Fragen über Dinge, die ihnen rätselhaft erscheinen

Referenz: Pdf didacta 2009 Hannover 10.–14.2.2009

Herr Dr. Salman Ansari, seit geraumer Zeit verwandeln sich
Kindergärten in Forschungslabors für den Nachwuchs. Da wird
entdeckt, erprobt und experimentiert. Ist die frühe Bildung
endlich auf dem richtigen Weg?

Die Prozesse des Lehrens und Lernens setzen einen Dialog voraus. Dialog ist ein Vorgang der personalen Begegnung. In einem kreativen Dialog sind alle Beteiligten neugierig darauf, zu erfahren, wie die Anderen denken und was sie bereits wissen. Im Kontext der Frühbildung bedeutet dies, die Kinder als Wissende wahrzunehmen, die über ein wertvolles Wissen verfügen. Ein Experiment dagegen hat zum Ziel, eine Frage zu überprüfen, die die Kinder gar nicht gestellt haben. Von Gewinn kann ein Experiment nur dann sein, wenn es von den Kindern selber entworfen bzw. ausgedacht wird. Dann können sie auch die Ergebnisse mit ihrem Wissen deuten. Doch in diesem Alter erleben die Kinder die Wirklichkeit ganzheitlich und können daher Experimente, die stets Manipulationen und Reduktionen der Wirklichkeit sind, nicht selber entwerfen.

Die Bildungspläne der einzelnen Bundesländer für die Kindergärten
sprechen von „naturwissenschaftlichen und technischen
Grunderfahrungen“ – wie sollten diese aussehen?

Das vorschulische Lernen ist gekennzeichnet vom Drang zur Selbstständigkeit.
Ganz kleine Kinder haben ein Repertoire an Strategien,
um eigene Vorstellungen zu konstruieren und sich damit die Welt
anzueignen. Daher weisen sie unaufgeforderte Belehrung und Hilfe
zurück. Bei der Vermittlung von „naturwissenschaftlichen und technischen
Grunderfahrungen“ wird zu sehr auf akademische Standards,
Kriterien und Methoden geachtet. Häufig wird Bildung als Erwerb
von Wissen auf Vorrat verstanden. Oft wird argumentiert,
Kindern müsse man vieles auch erklären. Die Hinnahme von Erklärungen
ist jedoch stets ein Wissen aus zweiter Hand und erstarrt
schnell zu nutzlosem Wissen. Eigentlich wissen wir dies.
Denn haben wir nicht unendlich viel in der Schule erklärt bekommen, und
wie viel ist davon verfügbar, wenn wir uns naturwissenschaftliche
Phänomene verständlich machen wollen?

Was sollten Erzieherinnen – und auch Eltern – in Sachen naturwissenschaftliche
Bildung wissen und leisten, wie können sie
also gemeinsam mit Kindern forschen und entdecken?

Kinder werden über Dinge Fragen stellen, die ihnen rätselhaft erscheinen
und nicht außerhalb ihrer Erfahrungsmöglichkeiten liegen.
Betreffen ihre Fragen oder ihr Erstaunen eine Naturerscheinung,
dann haben wir Erwachsene oft ein Gefühl von Unzulänglichkeit,
um mit den Kindern ein Gespräch darüber zu führen. Wir meinen
dann, es müssten uns solide Kenntnisse der Naturwissenschaften
zur Verfügung stehen. Dies ist jedoch ganz selten erforderlich, zumal
die Kinder einen Sachverhalt in wissenschaftlichen Kategorien
nicht nachvollziehen können. Wir brauchen keine speziellen Kenntnisse,
sondern den Mut, uns unbefangen mit den Kindern auf die
Suche zu begeben. Wir müssten also lernen, selber wie die Kinder
zu denken, frei von irgendwelchen Theorien, Definitionen, Begriffen
und dergleichen mehr. Ruft zum Beispiel ein Kind aus:
„Schau, diese Schnecke hat ein Haus und diese nicht“, dann
können wir zum Beispiel sagen: „Dies ist ja sonderbar, lass uns überlegen,
ob vielleicht die eine ein Haus braucht und die andere nicht,
was meinst du?“ Es lohnt sich immer, die Fragen der Kinder als Aufforderung
zum Mitdenken zu erkennen.

Gibt es bereits empirische Studien über die Erfolge der naturwissenschaftlich
orientierten Projekte in den Kindergärten?

Meines Wissens gibt es keine empirischen Studien, die im Kontext
des dreigliedrigen Schulsystems für die Effizienz von naturwissenschaftlichen
Projekten, wie sie derzeit angeboten werden,
sprechen. Es kann sogar nicht ausgeschlossen werden, dass solche
Projekte Kindern dabei helfen, Fehlvorstellungen über Naturphänomene
zu entwickeln.

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