Salman Ansari Menschen · Natur · Leben · Literatur · Musik

17Nov/110

Wozu experimentieren, wozu die Reduktion der Wirklichkeit?

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Ein weiteres Beispiel für ältere Kinder (5. Klasse) ist folgendes:

Ausgangspunkt ist ein Bild von Asterix und Obelix, der einen großen Stein auf dem nach vorne gebeugten Rücken trägt. Auch wir tragen schwere Gegenstände lieber auf dem gebeugten Rücken als vor uns auf der Brust, z.B. den Rucksack.
Problemfrage: Woran liegt das? Warum wird der Stein bei Obelix auf dem Rücken getragen?
Die Kinder antworten: Obelix hat viel Kraft, der Rücken bietet mehr Platz u. ä. Hieran zeigt sich Klärungsbedarf!
Die weitere Diskussion führt zur belasteten schiefen Ebene und weiter auf die Zerlegung der Gewichtskraft in Anteile parallel und senkrecht zur schiefen Ebene.

Anmerkung:
Der Anteil der Gewichtskraft, der senkrecht zur schiefen Ebene (zum gebeugten Rücken) wirkt, drückt auf den Rücken. Der Anteil, der parallel zur schiefen Ebene (zum gebeugten Rücken) wirkt, drückt auf die haltenden Hände. Beide Anteile sind dem Betrage nach kleiner als die volle Gewichtskraft, d.h. durch das Tragen von Lasten auf dem gebeugten Rücken erfährt man eine geringere Belastung an den Händen, „dafür“ eine Belastung am Rücken. Diese Tatsache wird beim Tragen intuitiv genutzt.

Als weiterführende Problemfrage bietet sich an: Wie können wir schwere Steine (noch) fortbewegen? Es werden Vorschläge gesammelt und sortiert. Es zeigt sich, dass viele Vorschläge sog. einfache Maschinen (Winkel- und Hebelanordnungen) beinhalten. Dies führt zu der konkreten Aufgabe an die Kinder: „Versucht, eine mit Steinen schwer beladene Kiste auf verschiedenen Oberflächen (Rundhölzer, Kies, Erde, Sand) zu bewegen. Als Hilfsmittel habt ihr Seile und Rollen zur Verfügung und eure eigene Kraft.“
Dabei sollen sie mit den zur Verfügung stehenden Materialien selbstständig ge-eignete Methoden zur Klärung entwickeln: → großes Chaos bei der Durchführung. Auf die Frage, auf welcher Oberfläche sich die Kiste am leichtesten bewegt hat, geben die beteiligten Gruppen ganz unterschiedliche Antworten.
Den Kindern war nicht aufgefallen, dass jede Gruppe die Kiste mit ganz unterschiedlichen Mitteln bewegt hatte; also eine Gruppe mit einem Seil und zu Viert, die andere Gruppe auf runden Hölzern und zu Zweit usw. Mit Hilfe eines Modellversuchs sollen die Kinder die Bedingungen des Versuchs genauer im Auge behalten. Im Labor werden vier Tische mit den diversen Oberflächen belegt. Auf diesen Oberflächen sollen die Kinder einen Klotz bewegen, der mit einem daran befestigten Faden versehen ist. Unterschiedliche Gewichte werden zur Verfügung gestellt. Zuerst beachten die Kinder die Gewichte nicht, doch nach und nach entwickeln sie Methoden, um sinnvolle Ergebnisse zu erhalten.
Was lernen die Kinder an diesem Beispiel? Sie lernen, dass man für die Bestimmung der Rangfolge, welcher Untergrund am wenigsten Reibung bietet, relevante Parameter erkennen und fixieren muss (hier das Gewicht der Kiste, die hierzu als Testobjekt genutzt wird, die ge-meinsame Kontaktfläche und auch die Zugkraft).

Fazit

Naturwissenschaftliches Forschen ist ein allmählich fortschreitender Prozess, keine Überraschungspädagogik! Dies wird auch von Wagenschein betont, mit dessen Worten Ansari den Vortrag beendet:
„Wir müssen verstehen lernen! D.h. doch nicht: Es den Kindern nachweisen, so dass sie es zugeben müssen, ob sie es nun glauben oder nicht. Es heißt: Sie einsehen lassen, wie die Menschheit auf den Gedanken kommen konnte (und kam), so etwas nachzuweisen, wie die Natur es ihr anbot (und weiter anbietet), und wie es dann gelang und je neu gelingt.“ (Wagenschein)

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