Salman Ansari Menschen · Natur · Leben · Literatur · Musik

17Nov/110

Wozu experimentieren, wozu die Reduktion der Wirklichkeit?

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Diskussion III

Frage: Ich stimme Ihnen zu: Lehrer sind auf ihre Erklärungen fixiert. Die Frage ist für mich: Was ist das Phänomen? Dies wird eigentlich erst klar, wenn ich eine Theorie dazu habe oder anders gesagt: wenn ich mir dazu Gedanken mache, also denke.
Das Dilemma des Lehrers besteht darin, dass er nicht ohne eine Absicht bzw. ohne eine Deutung des angebotenen Phänomens Unterricht plant, und damit eine latente Tendenz vorhanden ist, die Gedanken der Schüler im Unterricht in eine bestimmte Richtung zu lenken oder sogar zu drängen. Wie kriegt er das nun hin, seine Absicht / Deutung so mitzuteilen, dass er nicht Lernprozesse verhindert, sondern Lernprozesse ermöglicht und fördert?
Frage: Woher kommen Ideen zu einem Experiment? Was ist der Anlass?

Kommentar: Ich muss für Unterricht eine Idee haben, wo ich hin will, sonst wäre ich kein Lehrer. Es bleibt dem Lehrer in der Sek. I auch gar nichts anderes übrig, es muss auch eine Erklärung folgen. Das Dilemma scheint mir nicht lösbar.

Kommentar: Ich denke, der Lehrer muss für seine Idee bzw. für seine Deutung des Phänomens „werben“, d.h. er darf sie nicht einfach über die Ideen / Deutungen der Schüler setzen, sondern muss die Argumente aufzeigen, warum die Physiker sich dafür entschieden haben, so und nicht anders zu deuten.

Ansari: Wagenschein sagt: Wir sollen von den Phänomenen ausgehen (→ Rettet die Phänomene!), wenn es in das Bewusstsein des Menschen eindringt! Dann die zentrale Frage ausmachen und formulieren, dann die Erklärung suchen. Dabei müssen wir die Altersstufe der Kinder beachten: Was denken Kinder in bestimmtem Alter? Welcher (Lern-) Ge-genstand ist altersangemessen, angebracht und welcher nicht?
Hier scheint mir ein Dialog zwischen Naturwissenschaftlern, Psychologen und Erziehungswissenschaftlern sehr wichtig zu sein. Instruktionen und Erklärungen sind wichtig und müssen sein, aber wichtiger ist das Denken können. Problemlösen ist überall erlernbar.

Frage: Wie früh ist für Sie früh? Müssen wir Kinder mit Problemen konfrontieren? Meine Erfahrung ist die, dass das freie Explorieren, Beobachten und Erleben alle begeistert. Sollten wir nicht jede Betüttelung und Betreuung lassen? Das elaborierte Experiment gehört für mich nicht in den .

Ansari: Ja, es ist auch meine Erfahrung, dass Kindern zu viel aufgeladen wird. Die Unterscheidung zwischen Explorieren und Experimentieren hilft nicht den Kindern. Die gegenwärtige Willkürlichkeit in der Experimentierauswahl ist nicht hinnehmbar! Wann haben Kinder (noch) Zeit zum Spielen? Kinder wollen spielen, beim Spielen lernen sie (oft) mehr als bei einem Experiment. Kinder lernen die ganze Zeit, ständig und immer, sie brauchen keine zusätzlichen Erfahrungen.

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