Salman Ansari Menschen · Natur · Leben · Literatur · Musik

17Nov/110

Wozu experimentieren, wozu die Reduktion der Wirklichkeit?

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Diskussion V

Kommentar: Die Erzieherinnen wissen es nicht besser, daher machen sie sich auch nicht zum Entdecker, was aber für eine Pädagogin wichtig wäre. Anmerkung vom Protokollant: Es gilt also, ein psychologisches Problem zu lösen, und kein Wissensdefizit auszugleichen.

Kommentar: Man muss sich als ErzieherIn mit zum Entdecker machen und das ist schwierig. Außerdem: Es kommt darauf an, nicht zu früh zu systematisieren. In dieser Hinsicht muss man auch die Kistenversuche überprüfen.

Frage: Für mich gilt es, das freie Kinderspiel zu rehabilitieren. Der Knackpunkt scheint mir zu sein: Erklärungen wollen Kinder nicht hören! Kinder können mit kausalen Erklärungen nichts anfangen, sie brauchen zunächst finale Erklärungen (Sinn und Zweck verstehen). Wie kommt man aus diesem Konflikt heraus?
Haben Kinder ein Recht darauf, in ihrem Weltbild zu bleiben? Wann erklärt man den Kindern, dass es keinen Weihnachtsmann gibt? Wie kommen wir von finalen Erklärungen zu kausalen?

Frage: Warum bin ich Physiker geworden, obwohl ich im keine Experimente erlebt habe? Anstoß war die Fahrradwerkstatt meines Großvaters, das war mein Expe-rimentierfeld. Dort habe ich alles Mögliche nachgebaut, auch nach Vorgaben (Instruktionen). Verstanden habe ich davon Vieles erst später. Wie gehen wir damit um, dass in heutigen Kindergärten keine Naturwissenschaftler und Techniker sind? Sollten wir nicht Kindern einfach z.B. Magnete geben und sie damit spielen lassen? Und sollten wir nicht eher von Versuchen reden als von Experimenten?

Ansari: Das ist eine zentrale Frage: Was soll in Kindergärten geschehen? Was wollen wir wann in Kindergärten erreichen. Wie können wir unseren Kindern kognitiv und emotio-nal helfen, die Welt und sich selber besser zu verstehen, welche Rolle könnten die Naturwissenschaften hierzu spielen? Wir haben noch keine Antwort, ob die Beschäftigung mit Laborexperimenten die Kinder in ihrem Denken wirklich weiterbringt. (nach allen Erfahrungen in den USA herzlich wenig!) Wir müssen entscheiden: Was wollen wir? Wie vermitteln wir Kindern eine frühe naturwissenschaftliche Bildung? Wenn wir sehen, dass Kinder mit erheblichen Defiziten in die Schule kommen (Mutter nicht da, Vater nicht da, kleinste Kulturtechniken nicht parat), müssen wir fragen: Welche Hilfe und Anregungen brauchen die Kinder am Dringlichstem?

Kommentar: Wenn Kinder in Kindergärten experimentieren, dann leuchten ihre Augen. Sie denken an spannende Dinge, nicht an wissenschaftliche Experimente. Für Kinder ist Experimentieren toll, daher sollte man es nicht künstlich verbannen; Kinder machen alles begeistert mit.

Ansari: Kinder finden alles toll, machen jeden Unsinn mit. Begeisterung der Kinder ist kein (hinreichendes) Kriterium. Ich möchte nicht, dass Kinder nur lernen: Wenn ich das und das tue, dann passiert was.

Kommentar: Auch die fachdidaktische Forschung fragt: Ist es vernünftig zu experimentieren? In Sek. I/II besteht der Physikunterricht derzeit zu 80% aus Experimenten. Der Unterricht wird geradezu um das Experiment herum konstruiert. Die Forschung zeigt: Es scheint nicht nötig, nicht zwingend zu sein, so viel zu experimentieren. Naturwissenschaftlicher Unterricht funktioniert wahrscheinlich besser, wenn er wie Sprachunterricht aufgefasst wird!

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