Salman Ansari Menschen · Natur · Leben · Literatur · Musik

31Mrz/190

Wie viel ist ein Kindertag?

Für die Mitstreiter von Greta Thunberg.

Leo und Herr Teddy sind seit neun Jahren unzertrennlich. Eine Frage beschäftigt stets Herrn Teddy: Wie wird zukünftig die Welt für Leo aussehen? Er hat mit großer Aufregung vernommen, dass Kinder dabei sind, die Verantwortung für die Rettung der Natur selber zu übernehmen.

Leo hat heute, in der Schule über den Weltkindertag erfahren. Glücklich strahlend sitzt Leo neben Herrn Teddy und träumt vor sich hin.

Teddy: Leo, schön, dass du zurück bist. Seltsam, dass du immer
zufrieden heim kommst. Es ist schwer zu ertragen und
heute strahlst du sogar. Irgendwie bist du schulfest.
Leo: Schulfest?
Teddy: Die Schule schafft es nicht, dir zu schaden; unglaublich!
Leo: Willst du mir die gute Stimmung verderben?
Teddy: Man darf sich doch ein wenig freuen.
Leo: Weißt du was hartnäckig bedeutet?
Teddy: Dass man einen steifen Nacken bekommt?
Leo: Nein! Dass man unnachgiebig auf eine Sache besteht!
Teddy: Verstehe ich nicht.
Leo: Du reitest immer auf meiner Schule herum. Dabei weißt du ganz
genau, dass ich sie gerne habe. Heute war es besonders schön,
wir haben über den Weltkindertag gesprochen.
Teddy: Was heißt Weltkindertag?
Leo: Man erinnert an die Rechte der Kinder.
Teddy: Das ist doch lächerlich.
Leo: Verderbe mir nicht meine gute Laune.
Teddy: Wie viel Tage hat denn ein Jahr?
Leo: 365.
Teddy: Das ist gleich 0,0027397
Leo: Ich weiß, du bist ein Meister im Rechnen, aber was hat
diese Zahl zu bedeuten?
Teddy: Wenn ein Kuchen aus 365 Stücken besteht und du erhältst
eines davon; welchen Anteil des Kuchens bekommst du?
Leo: Weiß ich nicht aus dem Kopf.
Teddy: Das ist es ja. Die Schule macht dich abhängig.
Leo: Wieder das!
Teddy: Du kannst nicht rechnen, dein Rechner dafür schon.
Leo: Ich habe es satt und gehe jetzt raus.
Teddy: Hör bitte erst zu, dann kannst du von mir aus flüchten.
Einmal im Jahr ist Weltkindertag. Verteilt man diesen Tag auf das
gesamte Jahr, ergeben sich 0,0027397 Tageinheiten pro Tag.
In Kuchen umgerechnet, müsstest du dein eines Stück Kuchen
auf 365 Tage aufteilen und hättest pro Tag nur einen Mini-Krümel.
Großartig nicht wahr!
Leo: So rechnet man nicht. Es ist ein Tag des Erinnerns. Das
heißt man spricht darüber, dass Kinder Rechte haben.
Es gibt eine Kinderrechtskonvention der UN, die viele
Länder unterschrieben haben, sagt meine Lehrerin.
Teddy: Man nimmt sich also vor, sich daran zu erinnern, weil man sich
an anderen Tagen daran nicht zu erinnern vermag?
Leo: Unsinn. Teddy, das ist typisch von dir, du verkehrst alles ins
Gegenteil!
Teddy: Überhaupt nicht. Musst du daran erinnern werden, dass tägliches Kacken zum gesunden Leben gehört? Oder kackst du nur dann,
wenn du dich daran erinnerst? Wie viele Kack-Tage hätte dann das Jahr?
Leo: Jetzt reicht es mir. Tschüss!
Teddy: Weißt du was Standhalten bedeutet?
Leo: Ich will keine Diskussion mehr!
Teddy: Standhalten bedeutet nicht flüchten, wenn einem etwas nicht passt.
Leo: Ich flüchte nicht. Ich habe es bloß satt!
Teddy: Kennst du Schüler, die einmal in der Woche nicht zur Schule gehen,
weil sie die Lügen der Erwachsenen satthaben? Sie halten Stand.
Leo: Welche Lügen?
Teddy: Dass Menschen der Natur keine Wunden zufügen.
Leo: Ja, ja. Meinst du es hilft was, wenn man deshalb die Schule schwänzt. Ich habe davon gehört und auch, dass sie nach ihren Zusammenkünften Berge von Müll hinterlassen. Das ist doch verkehrt!
Teddy: Noch haben sie sich nicht von den Vorbildern befreiet.
Leo: Welche Vorbilder?
Teddy: Die Erwachsenen.
Leo: Für mich bleiben sie Schulschwänzer. Basta!
Teddy: Das nennt man nicht schwänzen, sondern das ist Schule machen.
Leo: Du wirst ja immer toller!
Teddy: Warum gehst du zur Schule? Wozu soll das gut sein?
Leo: Lernen.
Teddy: Meinst du, erst in der Schule fängt man an zu lernen?
Leo: Ich mag nicht mehr? Ich muss weg.
Teddy: Bevor du anfingst in die Schule zu gehen, hast du dauernd gelernt.
Leo: Was zum Beispiel?
Teddy: Krabbeln, Sitzen, Laufen, Sprechen, selbständig Essen, Springen,
Treppen auf und ab gehen und so vieles mehr, dass du selber
aufzählen könntest.
Leo: Das lernt doch jedes Kind!
Teddy: Weißt du warum jedes Kind unbedingt all dies lernen will?
Glaubst du, niemand muss es ihm beibringen?
Leo: Das ist ebenso. Ich muss endlich weg.
Teddy: Nein. Da ist eben nicht so, sondern man lernt, um zu überleben.
Hättest du dich als Kind geweigert laufen zu lernen, müsste man
dich heute noch auf dem Arm tragen und mit einer Milchflasche
am Leben erhalten.
Leo: So ein Unsinn. Kein Kind will für immer Baby sein.
Teddy: Und warum nicht?
Leo: Weil es zum Leben gehört.
Teddy: Nein. Nicht zum Leben, sondern zum Überleben. Denk scharf nach.
Leo: Sonst kann man nicht lernen, ohne Hilfe was zu machen.
Teddy: Das nennt man selbständig sein.
Leo: Ja, jetzt verstehe ich besser, was du sagen möchtest.
Teddy: Stell dir vor unzählige Kinder misstrauen den Erwachsenen
und wollen selber handeln, also selbstständig sein.
Leo: Schule schwänzen meinst du ist wie das Laufen lernen?
Das ist doch komisch.
Teddy: Nein, komisch ist, das Erwachsene laufen können und dennoch
nicht dem Hilferuf einer Verletzen Folge leisten.
Leo: Und warum überhören sie den Hilferuf?
Teddy: Weil sie sich nicht verpflichtet fühlen.
Leo: Verstehe ich nicht.
Teddy: Schau mal aus dem Fenster, gegenüber an der Mauer ist ein
Schwalbennest. Siehst du es?
Leo: Ja.
Teddy: Beobachte es eine Weile und sage mir, was du siehst.
Leo: Wenn die Schwalbeneltern sich dem Nest annähern, sieht
man mehrere offene Schnäbelchen herausragen. Merkwürdig,
dass es den Eltern gelingt, in alle Mäuler was reinzustecken.
Teddy: Ja, Leo, die Eltern versorgen ihre Brut unermüdlich bis es
dunkel wird. Sie haben keine andere Wahl. Die Schwalbeneltern
wissen, sie sind für den Nachwuchs verantwortlich, bis er flügge wird.
Leo: Sonst könnten die Schwalbenkinder nicht überleben. Ich verstehe.
Teddy, bitte entschuldige meine Ungeduld.
Teddy: Weißt du, wie man es lernt, sich für eine Sache einzusetzen?
Leo: Welch Sache?
Teddy: Die Natur ist ein wundervolles Haus auf Erden, das den
Menschen geschenkt wurde. Doch sie haben das Haus
verwüstet. Was machst du mit einem Menschen, der das
ihm anvertraute unwiederbringlich kaputt macht?
Leo: Dann darf der nicht der Hüter des Hauses sein.
Teddy: Wenn jemand seine Aufgaben missachtet, was geschieht dem?
Leo. Er fällt durch.
Teddy: Nein er ist ein Täter, weil er seine Verantwortung vorsätzlich
nicht anerkennen will. Er muss dann abtreten. Wer sollte dann
der Hüter des Hauses sein?
Leo: Ich muss darüber nachdenken.
Teddy: Alle, die der Schule den Rücken kehren, hören die Schreie der
Natur. Daher wollen sie die Verantwortung übernehmen, damit
kommende Genrationen flügge werden können.
Leo: Natur kann doch nicht schreien.
Teddy: Wenn man dir eine Wunde zufügt, schreist du doch auf. Oder?
Leo: Das ist was anderes!
Teddy: Das ist es ja eben. Du hörst die Schreie noch nicht, aber andere
hören sie und können nicht anders, sie sind bereit zu helfen.
Leo: Was heißt helfen.
Teddy: Wenn du ein verletztes Tier siehst, eilst du doch sofort zu ihm hin,
um zu helfen oder?
Leo: Aber man muss wissen, wie man eine Wunde behandelt.
Teddy: Das kann man lernen, aber die Schule ist kein Lernort dafür.
Wunden zu heilen, lernt man anders.
Leo: Und wer bringt einem das bei?
Teddy: Hat man dir das Laufen und Sprechen beigebracht?
Leo: Ich kann es einfach.
Teddy: Diese Kinder sind dabei, das Überleben zu erlernen, weil sie
wissen, dass sie selber ein Teil der Natur sind. Würden die
Schwalbengenerationen überleben, wenn eines Tages die Natur
so verletzt ist, dass sie für die offenen Schwalbenmäuler keine
Nahrung mehr bereitzustellen vermag?
Leo: Aber Kinder brauche doch Hilfe. Die Erwachsenen sind die Profis.
Teddy: Die Profis werden jetzt jede Woche daran erinnert, dass sie
Verantwortlichkeit nur vortäuschen.
Und die Kinder werden als erstes lernen, es den Erwachsenen
nicht mehr nachzutun. Sie fahren mit dem Fahrrad oder Bus
zu ihren Treffen und werfen ihren Müll nicht mehr auf die Straße.
Leo: Ich glaube, du übertreibst.
Teddy: Leo, in der Sekunde wo du geboren wurdest haben deine Eltern
für dich die Verantwortung übernommen und sofort danach
gehandelt. Weißt du warum?
Leo: Ein Kind ist hilflos.
Teddy: Es ist nicht die Hilflosigkeit. Sonst wäre man nicht auf die Idee
eines Kindertages gekommen.
Leo: Verstehe ich nicht.
Teddy: Dann denke bitte scharf nach!
Leo: Ja, Herr Besserwisser.

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